Digitale Nomadin Silke Vogel lebt das ortsunabhängige Arbeiten

Digitale Nomadin Silke Vogel lebt das ortsunabhängige Arbeiten

Dana Diezemann hatte mich fürs Hochschulradio Stuttgart (Horads 88,6) interviewt. Das originale Interview findet ihr hier. Es stammt aus der Sendung Talk mit Dana.

Damit ihr aber nicht lange hin- und herspringen müsst, habe ich euch den Text auch hier zur Verfügung gestellt:

„Die digitale Nomadin Silke Vogel erklärte uns das ortsunabhängige Arbeiten, welches sie seit über zwei Jahren erfolgreich und mit viel Lebensfreude praktiziert. 1997 studierte Silke an der Hochschule der Medien und ging nach einer Findungsphase in einen konventionellen Job in einer Werbeagentur. Irgendwie passte das dann aber nicht mehr zu ihrer Lebenseinstellung und sie stieg aus.

Seit 2015 sitzt Silke in verschiedenen Städten wie Goa in Indien oder auf der Insel Martinique mit dem Laptop am Strand und arbeitet übers Internet. Erstellt Konzepte, Designs und Webseiten. Hält Kontakt zu ihren Kunden per Skype und Mail. Den Lebensunterhalt so zu verdienen klingt und sieht traumhaft aus, ist es auf den ersten Blick auch.

Aber diese Arbeitsform ist nicht für jeden geeignet. Es gibt auch Schattenseiten. Wir reden über Begriffe wie Zeitverschiebung und Selbstdisziplin. Ist ein direkter persönlicher Kontakt zum Kunden wirklich wichtig? Was sind die Herausforderungen im exotischen Arbeitsalltag? Und wo führt der weitere Weg Silke hin? Wird Sonne, Meer und Sand nicht irgendwann langweilig? Kann ihre Firma so stabil wachsen?“

Arbeit am liebsten mit Blick aufs Meer

Arbeit am liebsten mit Blick aufs Meer

Hier könnt ihr das Interview von Michael Müller lesen. Er hatte mich für die Ludwigsburger Kreiszeitung interviewt.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist Silke Vogel bereits in der Karibik. Die Grafikdesignerin arbeitet, wo andere Urlaub machen – im Moment an einem Strand auf der Insel Guadeloupe. Die Bönnigheimerin reist um die Welt und kümmert sich in der Ferne um die Aufträge ihrer Kunden. Ihren ganz persönlichen Traum lebt sie erst seit einigen Jahren. Im Interview spricht sie über ihren Weg dorthin.

Silke Vogel ist das, was man heute eine digitale Nomadin nennt. Die meiste Zeit des Jahres reist die Grafikdesignerin durch Länder wie Spanien, Frankreich, Indien oder Ägypten und kümmert sich dort um die Aufträge ihrer deutschen Kunden. An einem trüben Tag treffen wir die 44-Jährige in ihrer Wohnung in Bönnigheim. Eine Woche lang war sie auf Stippvisite in Deutschland.

Frau Vogel, wo kommen Sie gerade her?
Aus Goa in Indien. Da war ich zweieinhalb Monate. Ich hatte mir eine kleine Holzhütte am Strand eingerichtet. Mit Blick aufs Wasser, das ist mir immer wichtig. Dann verzichtet man auf Luxus wie einen Kühlschrank. Das Essen ist auch super, Preisniveau und Qualität sind nicht zu toppen. Für uns Europäer ist es paradiesisch. Und irgendwie scheint die Zeit dort stehengeblieben.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie wieder deutschen Boden unter den Füßen hatten?
Ich dachte: Ist das sauber hier. Aber kalt, einfach zu kalt. Wir hatten durchgehend 38 Grad.

Was fehlt Ihnen, wenn Sie länger weg sind?
Ehrlich gesagt, nichts! Ab und zu Freunde und Familie. Aber sonst nichts.

Gibt es etwas, auf das Sie sich immer freuen, wenn Sie zurückkommen?
Ich wollte ’ne Brezel essen. Auch auf das schnelle Internet habe ich mich gefreut, das ist schon ein anderes Arbeiten.

Was bedeutet eigentlich Heimat für Sie?
Das ist da, wo ich mich wohlfühle. Indien ist so was wie Heimat geworden, ich war zum zweiten Mal dort. Als ich dieses Jahr zurückkam, dachte ich: Wow, da bin ich zu Hause – so eine Ruhe! In Deutschland habe ich immer schneller das Gefühl, dass ich wieder weg muss. Spätestens nach zwei Wochen spüre ich ein inneres Kribbeln. Mir wird es schnell langweilig. Um dem entgegenzuwirken, muss ich reisen. Sobald ich am Meer bin, ist alles wieder in Ordnung.

Heute ist wieder so ein grauer, trüber Tag. Ist es das, weshalb Sie immer wieder weggehen?
Ja, es ist das Wetter. Das Klima und die Landschaft. Wenn wir hier am Meer leben würden – Palmen, Sandstrand und über 30 Grad – würde ich sicher seltener weggehen.

An welchen Plätzen arbeiten Sie am liebsten?
Mit Blick aufs Meer, der Lärmpegel ist mir meist egal – es sei denn, ich muss telefonieren. Internetcafés und Coworking-Spaces sind zum Austauschen und Netzwerken mit anderen sehr animierend.

Was brauchen Sie zum Arbeiten?
Smartphone mit örtlicher Sim-Karte, Laptop und eventuell einen mobilen WLAN-Router. Ohne Mobilfunknetz geht aber nichts. Da kommen einige Länder leider nicht infrage, in die ich gerne reisen würde. Eine meiner ersten Routinen ist der Gang in einen Mobilfunkladen. In Goa ist allerdings der Servicemitarbeiter vor meinen Augen eingeschlafen. Das ist Indien!

Woran arbeiten Sie in der Regel?
Im Moment viel Webdesign und Onlinemarketing. Ich komme allerdings aus dem Printbereich: Designs von Broschüren, Flyern, Logos und Verpackungen.

Was reizt Sie am Leben als digitale Nomadin?
Das Reisen, das Frei-Sein, die Chance, überall arbeiten zu können. Die Kombination ist perfekt: Ich liebe meinen Job – und das Reisen.

Welche Eigenschaften sollte man haben?
Abenteuerlust und Neugier. Man darf nicht zu ängstlich sein. Und ich bin ungebunden. Mit Familie wäre das sicherlich was anderes.

Wie gehen Sie organisatorisch vor, wenn Sie jetzt in die Karibik fliegen?
Ich buche nur den Flug, eine Bleibe für die ersten Tage und erkundige mich vor Ort nach reizvollen Zielen. Ich würde gerne mit dem Segelschiff Inselhopping machen.

Das klingt mehr nach Urlaub als nach Arbeit. Wie verträgt sich das mit Abgabeterminen?
Ich mache es von den Jobs abhängig. Wenn mehrere Aufträge reinkommen, miete ich mir natürlich eine Unterkunft und bleibe an einem Ort. Das lasse ich auf mich zukommen. Generell nehme ich mir die Zeit, was anzuschauen oder baden zu gehen. Deshalb plane ich meistens nur ein, zwei Tage im Voraus. Aber manche Reiseformen kommen nicht infrage. Den Jakobsweg zu gehen und ständig aufs Handy zu schauen – das wäre absurd.

Machen Sie manchmal erst abends den Rechner an, wenn Sie von Ausflügen zurückkommen?
Teilweise ja. In Indien hat man aber ein Problem mit Moskitos. Ich habe mal nachts gearbeitet, war danach völlig verstochen. Ich steh lieber früher auf, wenn die Sonne aufgeht.

Wie reagiert Ihr Umfeld auf die Lebensweise?
Die meisten sagen: Toll, du machst das völlig richtig. Es gibt einige, die das auch gerne tun würden, aber nicht können. Manchmal aus vorgeschobenen Gründen. Bis vor vier Jahren war ich ein richtiger Workaholic, arbeitete bis 2013 freiberuflich in einer Werbeagentur und war da zuletzt sehr eingebunden. Irgendwann habe ich mir gesagt: Wozu? Wieso tue ich mir das an? Je mehr Geld man verdient, desto mehr gibt man aus. Mein Freund starb 2009 und auch danach sind noch einige nahestehende Leute gestorben. Da dachte ich: Das Leben ist zu kurz, um nur zu arbeiten.

Was war so schlimm am klassischen Bürojob?
Die starren Arbeitszeiten, acht Stunden auf dem Stuhl zu sitzen und nicht mal kurz zum Arzt, Friseur oder ins Café zu können. Ich habe früher andere immer bewundert, wenn sie von zu Hause arbeiteten.

Ist die Zukunft der Arbeit ortsunabhängig?
Ja, und vor allem auch in der zeitlichen Flexibilität. Die ist enorm wichtig. Wenn jemand lieber abends arbeitet – warum nicht. Bei vielen Freien spürt man die Freude am Arbeiten.

Wie haben Sie sich anfangs vorbereitet?
Man muss es einfach mal machen und testen, dass man sich die Angst nimmt. Ich bin zunächst nach Spanien und Frankreich, weil ich surfen wollte – und habe nebenher gearbeitet. Das lief ganz gut. Ich war oft auf Barcamps und habe mir die Berichte anderer digitaler Nomaden angehört. Die Vernetzung untereinander ist wichtig, nicht nur wegen der Erfahrungen. Manchmal hat man untereinander Jobs zu vergeben. Ich habe ein paar freie Mitarbeiter, die für mich in Spitzenzeiten arbeiten. Und Rückschläge gab es nur technische.

Wie haben Ihre Kunden reagiert?
Ich habe es ihnen zunächst vorsichtig gesagt, da kam auch keine negative Reaktion. Wenn die Jobs pünktlich erledigt werden und die Qualität stimmt, passt es. Aber man züchtet natürlich auch Neider.

Und wie halten Sie unterwegs Kontakt? Skype, E-Mail und Whatsapp. Manche Kunden sind glücklich, wenn ich eine Woche da bin und wir uns persönlich treffen können. Haben Sie Ihren Traum schon realisiert? Noch nicht ganz. Ich kann gut leben, aber es könnte natürlich immer mehr sein. Eine echte Weltreise wäre momentan noch nicht drin, was Kosten und Erreichbarkeit angeht. Aber nun geht es erstmal auf die Antillen, anschließend nach Mallorca, im August auf ein Hausboot in Amsterdam, danach nach Teneriffa, ab Herbst nach Südostasien und anschließend wieder nach Goa. Fürchten Sie sich vor einer längeren Auftragsflaute? Dann kann es doch schnell an die Existenz gehen… Nein. Generell verdiene ich heute besser als früher. Immer wenn ich denke, ich könnte mal in die Akquise gehen, kommt so viel rein, dass ich ausgebucht bin. Ich habe aber Flugangst – ideale Voraussetzung für eine digitale Nomadin (lacht). Sobald ich gelandet bin, ist alles wieder okay.
Den kompletten Artikel von Michael Müller in der Ludwigsburger Kreiszeitung gibt es hier.
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Sex muss nicht giftig sein

Sex muss nicht giftig sein

Ein Interview mit mir in den Stuttgarter Nachrichten. Dieses Mal liegt der Fokus eher auf meinem Online-Shop Oeko.toys

Der Online-Shop ist seit August 2019 geschlossen, da ihr ja lieber beim Einzelhändler um die Ecke kauft…

Webshop für Holzdildos in Bönnigheim

„Sex muss nicht giftig sein“

Von Philipp Obergassner 

Goa, Galizien, Fuerteventura: Silke Vogel ist freischaffende Webdesignerin und arbeitet auf der ganzen Welt. Nebenbei betreibt sie einen Webshop, über den sie Dildos aus Holz und ökologisch hergestellte Hand- und Fußfesseln vertreibt.

Bönnigheim – Goa, Galizien, Fuerteventura: Silke Vogel ist freischaffende Webdesignerin und arbeitet auf der ganzen Welt. Nebenbei betreibt die digitale Nomadin einen Internetshop, über den sie Dildos aus Holz nebst ökologisch hergestellten Hand- und Fußfesseln vertreibt. Sie erzählt über ihr ortsunabhängiges Leben und Arbeiten sowie den Ökotrend bei Sexspielzeug.

Frau Vogel, sie wohnen in Bönnigheim, sind dort aber so gut wie nie anzutreffen. Als freischaffende Mediendesignerin arbeiten Sie dort, wo andere Urlaub machen, zurzeit in Goa. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Der Anlass dafür war tragisch: In kurzer Zeit sind in meinem Umkreis viele Personen gestorben. Da dachte ich: Das Leben ist zu kurz, um nur im Büro zu sitzen. Und als Single und ohne Kinder habe ich auch hier keine Verpflichtungen. Da habe ich einfach zwei Passionen kombiniert: meinen Job und meine Vorliebe für das Reisen.

Freelancer-Mediendesigner auf Weltreise, kann man denn davon leben?

Wenn man nicht zu viel Geld ausgibt: ja. Mit 900 Euro im Monat komme ich gut durch. Ich übernachte nicht in Sterne-Hotels, sondern meist per Airbnb. In der indischen Provinz Goa habe ich beispielsweise in einer Holzhütte für Backpacker am Strand gewohnt.

Klingt aber nicht nach dem besten Ort, um übers Internet zu arbeiten.

Das stimmt. Aber mittlerweile bin ich ausgerüstet: Europaflatrate fürs Handy und ich habe immer einen mobilen WLAN-Router dabei. Mit einer vor Ort gekauften Sim-Karte habe ich dann überall LTE-Netz. Wenn Hostels schreiben, dass es WLAN gibt, taugt das in aller Regel nicht viel.

Suchen Sie sich Ihre Orte denn nach der Internetverbindung raus?

Nein. Ich gehe an Orte, die mich reizen: Goa, Galizien, Fuerteventura. Natürlich sollte das Wetter besser sein als in Deutschland, es sollte wenig regnen und ja: Internet sollte auch vorhanden sein. In ganz entlegene Winkel gehe ich nicht. Eine Region mit E-Netz wäre also ein No-Go.

Über Ihr interessantestes Projekt haben wir noch nicht gesprochen: Über einen Online-Shop vertreiben Sie ökologisches Sexspielzeug wie Holzdildos oder Bondage-Arm- und Fußfesseln. Wie kamen Sie darauf?

Zum einen interessiert mich das Thema einfach. Den Ausschlag gab aber das Buch von Timothy Ferris „Die 4-Stunden-Woche“, wo es darum geht, dass man sein Geld arbeiten lassen soll. Der Online-Shop sollte ein Selbstläufer werden, der konstant Geld reinbringt.

Und, funktioniert’s?

Nicht so richtig, der Verkauf läuft noch schleppend. Das Problem bei dem Sexspielzeug ist, dass man es auf amerikanischen Plattformen wie eBay oder Amazon nicht bewerben darf. Da sind die Amis einfach prüde. Auch Facebook hat mich anfangs geblockt, jetzt habe ich es eben als Spielzeug deklariert (lacht).

Und warum Öko-Sexspielzeug?

Ich finde, dass Sex nicht giftig sein muss. Viele Sexspielzeuge enthalten allerdings gefährliche Stoffe, wie zum Beispiel Lösemittel und Weichmacher. Auf Messen habe ich dann die Hersteller der Holzdildos kennengelernt, eine nette Familie im Odenwald. Seitdem vertreibe ich deren Produkte auf meiner Homepage.

Dann sind das gar nicht Ihre eigenen Produkte? Schade, sonst hätten wir Sie gefragt, wie Sie auf Namen wie Eichelhauer und Waldfee gekommen sind.

Ja, das sind nicht meine Namen. Ich finde sie aber witzig. Die Arm- und Fußfesseln sind aber meine Eigenkreationen, die ich als Auftragsarbeit von einem Gürtelmacher auf der Schwäbischen Alb herstellen lasse. Hier ist das Leder vegetabil gegerbt, das heißt, ohne Chemikalien und Giftstoffe, und damit hautverträglich.

Dann hat der Ökotrend also auch die Sexspielzeuge erreicht?

Ich finde, er entwickelt sich gerade. In den USA ist er schon länger ausgebrochen, das schwappt jetzt gerade nach Deutschland rüber. Vielleicht war ich mit meiner Homepage einfach zu früh dran.

Gibt’s da ab und zu komische Blicke im kleinen Bönnigheim für Sie?

Bislang nicht. Es wäre mir aber auch egal. Neulich hat meine Mutter nach mir gegoogelt und zufällig den Shop entdeckt. Die fand’s nicht so gut (lacht).

Den original Artikel findet ihr hier.